Ostseekreuzfahrt auf der "Mein Schiff 4"

Im August machten wir eine für uns sehr ungewöhnliche Reise - es ging auf Kreuzfahrt mit der "Mein Schiff 4" von Tui-Cruises. Geplant und geführt war die Reise hervorragend von Bruni Schramm (First-Reisebüro in Donzdorf); sie sorgte für die problemlose An- und Abreise mit Bus und Zug und kümmerte sich um die Problemchen an Bord. Für uns waren zwei Dinge ungewöhnlich: wir reisen normalerweise nicht geführt in der Gruppe und wir wollten nie auf so ein großes Schiff. Das Reisen in der Gruppe war überhaupt kein Problem, da auf dem Schiff sowieso jeder machte, was er wollte und die organisierte An- und Abreise war sehr bequem. Probleme hatten wir dann aber doch mit dem großen Schiff, oder eher so gesagt - das Schiff war groß genug aber für uns waren zu viele Menschen an Bord. Dazu aber später mehr. Nun begleiten Sie uns zum Start unserer Reise - wir laufen aus in Kiel bei wunderbarem Wetter.


Der erste ganze Tag war ein Seetag. Daher laden wir Sie ein zu einem kleinen Rundgang auf der Mein Schiff 4. Zum Schiff kann man vieles erzählen, hier eine kurze Fassung, die auf unseren Eindrücken beruht: Das Schiff ist extrem gut gepflegt, egal wo man hinschaut, alles ist blitzblank. Wir hatten eine normale Balkonkabine, die sehr schön war und auch sehr praktisch und komfortabel eingerichtet ist. Man hat an allen Ecken und Enden Stauraum. Restaurants und Bars sind auch sehr schön, jedoch für die vielen Menschen an Bord ist alles zu wenig. Bei schönem Wetter zu wenig Platz am Pool, bei schlechtem Wetter zu wenig Platz drin. Am Abend einen Platz an einer der Bars zu bekommen ist Glückssache. In den Restaurants, in denen man bedient wird, ist oft mit langer Wartezeit zu rechnen (da die Plätze leider nicht sofort abgeräumt und neu eingedeckt werden, wie wir mit eigenen Augen gesehen haben). Im SB-Restaurant kurvt man auch erstmal durch die Menschenmassen, bis man einen Platz ergattern kann. Nach ein paar Tagen hat man zum Glück die Erfahrung, mit diesen Gegebenheiten umzugehen und für sich selber herauszufinden, wie man wo am besten unterkommt. Das All-Inclusive-Konzept ist gut, man kommt sehr gut zurecht, ohne zusätzlich zu bezahlen. Natürlich wäre der Menschenandrang in den Restaurants, in denen man zusätzlich bezahlt, nicht so groß, im Gegenteil... Wer sich die teuren Zuzahlungen aber nicht leisten möchte, muss sich eben anpassen... Das Essen hat uns zum großen Teil sehr gut geschmeckt, sogar im SB-Restaurant war alles lecker und appetitlich. Das Angebot an Unterhaltung haben wir nur einmal genutzt und ein Konzert im Klanghaus genossen. Das war sehr schön, die Akustik ist tatsächlich wie in einem großen Konzertsaal. Aber auch hier hieß es - rechtzeitig anstehen, sonst gibt es keinen Platz mehr... Und zur Frage, ob das Schiff schwankte - nein, für uns nicht! Wir hatten zwar in dieser ersten Nacht 10 Beaufort Wind, davon merkte man aber fast nichts. Es gab zwar immer wieder kurze "Stöße", es war aber keinerlei schwanken zu spüren. So, genug der Worte, hier geht es zu Bildern.


Unser erster Hafen ist die Hansestadt Tallinn.

Die Hauptstadt Estlands ist seit 1997 UNESCO Weltkulturerbe. Der mittelalterliche Stadtkern ist nahezu vollständig erhalten und wunderschön. Wir waren von unserem Reisebüro zu einer Stadtrundfahrt und einem Stadtrundgang eingeladen. Wir besichtigten die Sängerwiese, den Olympiahafen von 1980, den Domberg und die Unterstadt. Leider hatten wir richtig Pech mit dem Wetter - es regnete den ganzen Tag in Strömen! Wir hätten nach dem Stadtrundgang noch genügend Zeit gehabt, die Gassen auf eigene Faust zu erkunden oder in einem der einladenden Cafés zu sitzen, aber durch die hohe Feuchtigkeit machten wir uns doch lieber auf den Weg zurück zum Schiff. Dort erlebten wir dann das komplette Chaos! Wir warteten vor dem Schiff bei noch immer strömendem Regen, der mit ca. 8 Windstärken quer kam, eine 3/4 Stunde, bis wir endlich im Trockenen waren. Dank der unflexiblen Organisation an der Sicherheitskontrolle war nun auch die letzte Unterhose nass und das Wasser stand in den Schuhen... Aber dafür kann Tallinn nichts; für uns ist klar, dass wir diese Stadt noch einmal ausgiebig besuchen und gerne auch das Umland erkunden möchten. Kommen Sie mit uns zur Stadtrundfahrt!


Der nächste Hafen ist St. Petersburg! Hier liegen wir über Nacht und haben zwei Tage Zeit, um die Stadt zu erkunden. Da man für Russland ein Visum braucht und wir nicht wussten, ob wir uns in der Stadt eigenständig bewegen können, entschlossen wir uns, die angebotenen Ausflüge zu nutzen. 


Am ersten Tag machten wir einen Ganztagesausflug, der uns zum Katharinenpalast führte, danach ein gemeinsames Mittagessen beinhaltete und mit einer großen Stadtrundfahrt endete. Der Ausflug war sehr gut organisiert und wurde dominiert von unserem hervorragenden Reiseleiter Alexander! Dieser Mann weiss auf jede Frage eine Antwort, spricht Deutsch wie Goethe und hat einen wundervollen Humor - einfach unglaublich gut! Wir bewunderten am Vormittag den Katharinenpalast incl. Garten, danach gab es ein sehr gutes Mittagessen mit Getränken, bevor wir zur Rundfahrt im Bus aufbrachen. Diese war immer wieder unterbrochen durch kurze Fotostops an markanten Stellen. Ausserdem konnten wir noch die Peter-Paul-Festung incl. der Kathedrale erkunden. Insgesamt war dies ein sehr gelungener Ausflug..

Am Abend hatten wir eine Schifffahrt auf der Newa gebucht. Da nahm ich mal keine Kamera mit, ich wollte einfach genießen. Der Ausflug war auch gut; er war etwas lieblos geführt und auf dem Schiff gab es zur Unterhaltung russische Folklore... Diese hätten wir nicht gebraucht, aber wir konnten zum Glück draussen sitzen.


Der zweite Tag in St. Petersburg war auch sehr schön. Es standen zwei Ausflüge auf dem Programm. Der erste Ausflug führte uns zum Peterhof, der Sommerresidenz der russischen Zaren.

Das Schloss ist innen sehr prächtig, leider darf nicht fotografiert werden. Der absolute Höhepunkt ist jedoch der Garten. Er ist sehr weitläufig, man kann dort einen ganzen Tag mit flanieren verbringen. Wir konnten leider nur eine kleine Runde drehen, aber auch diese war schon sehr beeindruckend. Berühmt ist der Garten für seine Wasserspiele. Es plätschert überall das Wasser aus Brunnen und Kaskaden. Das Beste aber sind die Wasserspiele selbst. Wir hatten das Glück und waren um 11 Uhr dort zur Eröffnung. Diese war wirklich sehr schön; die Zuflüsse zu den Fontänen werden von Hand geöffnet und das Wasser beginnt durch Schwerkraft zu fließen und bringt die Fontänen vor den Schloss zum sprudeln. Das Ganze ist toll untermalt mit Musik und es drängen sich tausende von Menschen... Danach ging es zurück zum Schiff, wo wir mit einem Lunchpaket versorgt wurden und es ging sofort weiter zum Nachmittagsausflug. Dieser nennt sich "Freizeit in der Stadt"; der Bus fuhr uns zur nächstgelegenen Metro-Station. Mit der Metro ging es dann ins Zentrum von Petersburg, wo wir ganze drei Stunden "von der Leine" gelassen wurden und bummeln und schlendern konnten, wie wir wollten. Was für ein herrliches Gefühl von Freiheit!

Nun, was bleibt und von diesen beiden Tagen? Das Wissen, dass wir auf jeden Fall noch einmal in diese Stadt müssen! Dann auf eigene Faust und mit viel Zeit. Diese turbulente und symathische Metropole mit ihren prächtigen Palästen und freundlichen Menschen hat sich in unser Herz geschlichen. 

Am Abend konnten wir dann noch die wunderbare Hafenausfahrt genießen, vorbei an Kronstadt und dem beeindruckenden Hochwasserschutzdamm der Stadt. Neugierig auf Bilder? Hier geht's lang!


Der nächste Stop war die Hauptstadt Finnlands - Helsinki. 

Den Tag verbachten wir bei herrlichem Sonnenschein in der Stadt. Vom Hafen gingen wir zu Fuß ins Zentrum. Wir erkundeten den Senatsplatz mit Dom, die alte Markthalle und noch vieles mehr. Danach fuhren wir mit der Tram zur beeindruckenden Felsenkirche und wieder zurück zum Hafen. Das Stadtzentrum ist nicht so groß, man kann es gut an einem Tag erkunden. Uns hat diese lebendige Stadt sehr gut gefallen und wir fuhren am Abend mit dem Gefühl los, das Meiste kurz gesehen zu haben. Kommen Sie mit!


Unser letzter Hafen dieser Kreuzfahrt ist die Hauptstadt Schwedens - wir sind in Stockholm!

Zur Einfahrt nach Stockholm trieb es uns schon früh aus dem Bett. Kurz nach fünf Uhr waren wir an der frischen Luft und bestaunten die vernebelte Schärenlandschaft. Die Fahrt durch die vielen Inseln war einzigartig und wunderschön! Noch nie hatten wir solch eine Landschaft gesehen. Gegen acht Uhr machten wir fest und für uns gab es erstmal Frühstück. Danach eroberten wir das bunte und quirlige Stockholm zu Fuß. Kurz nach Ankunft traute sich auch die Sonne hervor und wir hatten einen strahlenden Sommertag. Die Stadt hat uns hervorragend gefallen und auch hier wurde uns klar: die Zeit ist viel zu kurz, wir müssen noch einmal herkommen und uns einige Tage Zeit nehmen. Am Abend ging es dann wieder zurück durch die zauberhaft Landschaft der Schären, begleitet von einem sagenhaften Sonnenuntergang. Diesem folgte dann sofort dichter Nebel und die Schiffshörner begleiteten uns in den Schlaf.


Zum darauffolgenden Tag gibt es nicht viel zu sagen: Seetag, Koffer packen, ruhigen Platz auf dem Schiff suchen oder auf der Kabine bleiben... 


Das Fazit dieser Reise: tolles Schiff, tolle Städte, wunderschöne Reiseroute, zu viele Menschen an Bord, Organisation an Bord in vielen Teilen schlecht, zu wenig Zeit in den Städten. Für uns persönlich heißt das: Nicht mehr auf solch einem großen Schiff und auch keine "normale" Kreuzfahrt mehr von Stadt zu Stadt.

 

 

 

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